Das kommt dabei heraus….

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…wenn frau zu viele alte BBC-Serien sieht!

Vor ungefähr einem Monat stolperte ich zufällig über die Serie „The House of Eliott“. Ich wusste bis dahin nicht mal, dass diese Filme überhaupt existieren!

Nachdem ich mit Staffel 1 durch war, hatte ich mal wieder so viele Inspirationen, dass ich ein paar der Kleider und Hüte aus der Serie für mich selbst nacharbeiten wollte….Aber wie immer in meinem sehr speziellen Universum, wurde dann alles doch ganz anders.

Ich hatte geplant, mit etwas in der Art von Evangelines Spitzen-Nachthemd anzufangen. Also nähte ich vor mich hin, machte hier und da ein paar Zugaben und kleine Änderungen, für mich wichtig, denn ich bin ein komplett anderer Typ Frau…Und am Ende kreierte sich das Stück  mal wieder selbst und wurde zu einem Vintage-Style Sommerkleid, anstatt ein Nachthemd zu werden….

Ist schon lustig….Egal wie sehr ich mich bemühe, nahe am Original dran zu bleiben- Zum Schluss ist es IMMER total anders! Sogar dann, wenn ich sehr ähnliche oder gleiche Materialien verwende.

Sieht ganz so aus, als wäre mein eigener Stil irgendwie zu stark, um einfach etwas zu kopieren.

Aber möglicherweise ist genau das der Punkt: Vielleicht MUSS es ja genau so sein!

Also versucht nicht, Dinge exakt nachzuarbeiten, die vor euch schon mal jemand anderer in die Welt gesetzt hat. Geht euren eigenen Weg, findet euren ganz eigenen kreativen Ausdruck und entwickelt euch!

Nach dem Kleid, das eigentlich ein Nachthemd sein sollte, versuchte ich es noch mal. Diesmal kam etwas dabei heraus, das sowohl als Nachthemd wie auch als Kleid taugt. Ich fürchte, es ist hoffnungslos!

Im Moment arbeite ich an zwei Versionen von frühen Zwanziger Jahre Lingerie-Kleidern, wie ich sie in der Serie gesehen habe. Und ich wette, sie werden wieder viel mehr meinen eigenen Stil wiedergeben….

Und JA, es ist mal wieder Recycling! Viele der antiken Spitzen, die ich für das Kleid verwendet habe, wurden Jahrzehnte zuvor bereits benutzt oder waren lange vergessen in Kellern oder auf Dachböden und kommen jetzt wieder ans Licht!

Humpelrock?

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Sieht auf den ersten Blick aus wie ein Humpelrock….Ist es aber nicht. Was da so „abgeschnürt“ wirkt ist lediglich eine Art Gummizug und der Rock ist im Grunde ein überlanger Schlauch, nach oben geklappt und mit Bändern und Knöpfen oben am Bund befestigt. Hervorragend geeignet für die Verarbeitung von Stoffresten, wie man sieht. Die Bänder können gerade oder über Kreuz befestigt werden, was einen zusätzlichen Deko-Effekt ergibt.

Es gibt nur eine Sache, auf die ihr achten müsst: Der Rock MUSS in zwei Sektionen genäht und dann verbunden werden, sonst wird beim Umklappen des Schlauchs die Innennaht am unteren Teil sichtbar.

Reste-Mantel

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Manchmal nähe ich Dinge einfach zum Spaß…besonders, wenn ich mal wieder nicht weiß, wohin mit den Bergen an Stoffresten. In diesem Fall habe ich einen Mantel genäht, der eine Mischung aus einer antiken japanischen Fischerjacke und einem mongolischen Mantel ist…Er ist zugegebenermaßen etwas steif, aber trotzdem tragbar. Als Futter habe ich Reste von einem antiken Bauern-Bettbezug verwendet. Das gute Stück hält auch erstaunlich warm. Jetzt muss ich nur noch den Mut finden, ihn auch anzuziehen….

 

Hutreste….oder Restehüte

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Fast immer, wenn man einen Hut macht, bleiben irgendwelche Materialreste übrig.

Die werden aber nicht weggeworfen. Hutrohlinge – besonders von guter Qualität- sind teuer und es gibt nicht mehr allzu viele Anbieter.  Also hebt man sie auf und verwendet sie nach und nach bei neuen Projekten. Einiges endet als Teil einer Dekoration, aber größere Stücke können auch zu kompletten Hüten zusammengesetzt werden, wie in diesem Fall.

Der lachsfarbene Hut ist aus zwei unterschiedlichen Resten Sinamay in lachs und braun und einem Rest gleichfarbigen Strohmaterials für die Krempe zusammengesetzt. Dazu Bänderreste, die zu Hutblumen und Dekoration wurden.

Der braune Hut besteht aus zwei Paper-Stroh-Resten, die separat gearbeitet und dann zusammengesetzt wurden. Das Muster für die große Kokarde stammt aus dem Buch „How to make 100 Ribbon Embellishments“ von Elaine Schmidt.

Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern sind hier die Anleitungen auch für Anfänger verständlich. Leider gibt es das Buch nur auf Englisch.

Also traut euch ran an die Reste! Aus den allermeisten kann man noch etwas Kreatives machen!

Die Geschichte vom „Wut-Hut“

Seit Jahrhunderten werden in Europa Hutformen aus den unterschiedlichsten Materialien hergestellt. Meist wurde Holz verwendet, es gab aber auch solche aus Pappmaché, Gips, Draht, gesteiftem Stoff und unterschiedlichen Arten von Masse, manche davon schwer wie Blei.

Ab dem 19. Jahrhundert begann die industrielle Herstellung. Daneben existierten aber immer auch Formen, die von Holzschnitzern und Frauen selbst hergestellt wurden und dementsprechend im Aussehen stark von den genormten Hutformen abweichen.

Industriell hergestellte hatten Aufsatzlöcher, um sie auf einen Ständer zu stellen, ungenormte aber oft nicht. Es war auch durchaus üblich (und ist es bis heute!), zusammengeleimte Holzstücke zu einem Hutblock zu verarbeiten. Dabei wurde zwar meist Hartholz verwendet, in Heimarbeit zusammengebaute oder von Holzschnitzern gemachte Formen konnten aber auch aus ganz unterschiedlichen Hölzern sein.

Große und schwere Hutformen, die einen Ständer zum Kippen  gebracht hätten oder offene Krempenformen, bekamen entweder gebogene Unterstützen aus Holz, sozusagen „Beine“oder waren einfach an der Unterseite plan.

Und es wurde auch keineswegs immer genadelt oder mit kleinen Nägeln gearbeitet.  Bis ins frühe zwanzigste Jahrhundert hinein fixierte man oft die Hutkrone am Übergang zur Krempe mit kurzen Lederriemen, Gürteln sehr ähnlich oder dicken Schnüren. Und Filz- bzw. Strohrohlinge wurden an der Unterseite großer Hutformen ohne Stützen einfach umgeschlagen. Das Gewicht der Form hielt den Rohling von selbst fest. Und es gab auch schon die ersten „Schnürfurchen“, die heute fast alle modernen Hutformen haben. Kleine, sand- oder reisgefüllte Kissen hielten den Rohling unten, wenn es galt Vertiefungen aufzufüllen.

Alles Techniken, die wir heute auch noch nutzen.

Gut, aber was soll jetzt dieser Vortrag? Macht das einen Sinn?

In gewisser Weise ja, denn jetzt kommt die Geschichte vom „Wut-Hut“:

Vor einigen Jahren fand ich durch Zufall eine antike Hutform aus der Zeit zwischen 1910-1918 mit der damals üblichen übergroßen Hutkrone. Ich träumte  davon, fürs Theater oder Rollenspieler Hüte zu machen, es kam aber nie dazu. Also habe ich die Hutform schweren Herzens vor ein paar Wochen zu einem akzeptablen Preis verkauft.

Geschichte erledigt und Friede, Freude, Eierkuchen…..?

Leider nein, denn ein paar Tage später bekam ich eine relativ frostige Mail von der Käuferin, in der sie ihr Geld zurückverlangte, da ich ihr keine echte Hutform, sondern einen nutzlosen „Dekorationsgegenstand“ verkauft hätte.

Ihre Begründung war, dass der Hutblock unten keine Löcher hatte und man ihn demzufolge auch nicht auf einen Ständer zur Bearbeitung stellen könnte. Außerdem sei das Ding aus verschiedenen Stücken Holz zusammengesetzt und  diese „Bretter“ auch gar nicht zum Nadeln geeignet.

Stimmt alles, nur war die große und gut drei Kilo schwere Form nie für einen Ständer gedacht und genau so wenig sollte sie je genadelt werden! Und die Art von „Brettern“, aus der sie besteht ist für diese Epoche ebenfalls nicht ungewöhnlich. Und warum um Himmels willen, sollte irgend jemand aus Holz einen schweren Klotz in Form eines Titanic-Era-Hutes basteln, um ihn dann als Deko in seine gute Stube zu stellen? Das macht doch keinen Sinn!

Ich muss gestehen, dass mich so etwas in Rage bringt.  Eine gute Modistin sollte genug Wissen haben,  um auch mit ungewöhnlichen Formen umgehen zu können und nicht nur mit modernen und bequemen Industrieformen! Es ist durchaus legitim, Formen oder Techniken zu verwerfen, weil sie einem persönlich nicht liegen oder man bessere Wege gefunden hat. Aber es ist trotzdem wichtig, dass man Dinge vorher ausprobiert und Erfahrungen sammelt!

Ich zahlte also das Geld zurück, die Form kam wieder nach Hause und ich denke, ich werde sie jetzt auch behalten!

Allerdings gibt es Dinge, die kann frau einfach nicht auf sich sitzen lassen.  Und dazu gehört der Vorwurf, ich hätte ihr statt einer richtigen Form nur nutzlosen Dekomüll  angedreht, mit dem man keinen vernünftigen Hut machen kann.

Also setzte ich mich hin und MACHTE mit der Form einen Hut. (Das hätte ich schon vor Jahren tun sollen!)

Hier ist er also, der Hut, der laut dieser Dame gar nicht existieren kann….Nicht schlecht dafür, dass er auf einem „Dekoartikel“ gemacht wurde, oder?WP_20160127_15_28_46_Pro__highres WP_20160127_15_32_44_Pro WP_20160201_14_24_42_Pro WP_20160201_14_25_10_Pro WP_20160202_22_30_19_Pro__highres WP_20160203_14_34_55_Pro__highres WP_20160203_14_35_11_Pro WP_20160203_14_35_34_Pro